So viel zu trainieren – Was wann üben?

was ueben mit dem HundIch wurde schon häufiger gefragt, ob ich ganz viele Sachen gleichzeitig übe oder alles nacheinander. Gerade mit einem Welpen ist so viel zu üben. Oder der Hund aus dem Tierschutz, der gerade eingezogen ist und ganz viele Baustellen hat. Ich möchte mit dir teilen, was bei mir am besten funktioniert und warum das so ist.

Kein Ausschalter

Hunde haben keinen Knopf zum Abschalten. Das bedeutet:

Wenn der Hund wach ist, lernt er. Egal, ob du Zuhause oder mit ihm unterwegs bist, überall ergeben sich viele Situationen zum Üben. Du hast gar keine Chance, nicht zu üben.

Nimm als Beispiel die Leine an deinem Hund. Du hast du die Wahl. Lässt du deinen Hund zerren oder nicht. Übst du, dass sich Zerren lohnt oder übst du, dass sich die lockere Leine lohnt. Es ist deine Entscheidung.

So reiht sich eine Situation an die andere. Vom geduldigen Warten, bevor es losgeht über Geschirr anziehen, anleinen, Nachbars Katze ignorieren, die auf der anderen Straßenseite herumspringt, etc. etc.

Es bleibt dir also gar nichts anderes übrig, als mehrere Sachen gleichzeitig zu üben. Ob du dran denkst, dass du übst oder nicht, ist egal. Du übst.

„Jetzt gerade das gilt nicht“ funktioniert leider nicht. Du kannst den Hund nicht „ausschalten“.

Besser ist, du bist dir im Klaren darüber, dass es so ist, wie es ist. Dann kannst du bewusst entscheiden, was du belohnst und was du nicht belohnst. Anstatt es dem Zufall zu überlassen.

Geplante Trainingseinheiten

Wenn du denkst, du übst nur mal für 10 Minuten oder eine halbe Stunde und dann ist wieder Feierabend, klappt das bei geplanten Trainingseinheiten. Im Alltag funktioniert das nicht. Es macht trotzdem durchaus Sinn, Trainingseinheiten zu planen.

Gerade für Dinge, die dein Hund ganz neu lernen soll, ist das eine fantastische Idee. Dann übst du zum Beispiel für 10 Minuten, dass der Hund auf die Decke geht. Oder lernt, Platz zu machen. Oder lernt, sein Geschirr anzuziehen.

In so einer Trainingssession wird genau diese eine Sache geübt. Sonst wäre es sehr verwirrend für den Hund.

Beispiel:

Möchte ich mit einem Welpen „auf die Decke legen“ üben, belohne ich in dieser Trainingseinheit nur das Legen auf die Decke. Da mache ich mir auch durchaus Gedanken darüber, dass ich anfangs dann übe, wenn ich nicht mit einer Störung rechne. So kann der Welpe die ersten Schritte ganz ohne Ablenkung lernen. Damit mache ich es einfach für ihn. Und für mich!

Kann der Welpe die Übung schon ein bisschen, übe ich auch dann, wenn die Kinder oder die Katze oder die anderen Hunde des Hauses ihn dabei ablenken. Denn er soll ja lernen, auch dann auf seiner Decke zu liegen, wenn so etwas passiert. Dosiere ich die Ablenkungen so, dass sie für den Welpen zwar eine Ablenkung bedeuten, aber immer nur so groß sind, dass er es schaffen kann, wird das Lernen leicht und macht Spaß.

Solche Trainingseinheiten kannst du wunderbar planen. Und es macht Sinn, innerhalb einer Trainingseinheit nur eine einzige Übung zu üben.

Verschiedene Übungen in verschiedenen Trainingseinheiten

pfote in hand gebenVielleicht hast du zwei Stunden später wieder eine Trainingseinheit geplant. Dann kannst du dort natürlich etwas anderes üben. Wenn du auch noch das Pfotenabputzen üben möchtest, kommt das vielleicht dann dran.

Vielleicht möchtest du gerne Pfotenabputzen und Decke in der einen Trainingssession üben. Weil du gerade Zeit hast und weil der Welpe noch wach ist.

Auch das ist machbar. Du kannst aus der einen Trainingseinheit leicht zwei machen. Lege einfach eine kurze Pause ein und geh an einen anderen Ort.

Übe zum Beispiel das Pfotenabputzen im Flur und die Deckenübung beim Schlafplatz deines Hundes. So hast du dein Training in zwei Trainingssessions geteilt, auch, wenn sie zeitlich nah zusammenliegen.

Eine gute Regel lautet: In einer Trainingseinheit übst du nur eine Sache. Trotzdem kannst du parallel mehrere Dinge üben. In verschiedenen Trainingssessions.

So mache ich es

Ich bin faul. Ich übe das allermeiste im Alltag. Ich nutze die Situationen, die sich ergeben. Es ist mir in Fleisch und Blut übergegangen, auf bestimmte Dinge zu achten.

  • Es geht nicht los, wenn der Hund herumzappelt.
  • Es geht nicht los, wenn der Hund bellt.
  • Die Haustür geht wieder zu, wenn der Hund einfach rausstürzen möchte.
  • Es geht nicht vorwärts, wenn die Leine straff wird.
  • Ich achte immer darauf, wenn der Hund etwas tut, was mir gefällt und belohne ihn dafür.

Alleine mit so ein paar einfachen Regeln kommst du schon sehr weit. Anfangs ist es schwer, daran zu denken und darauf zu achten. Gerade, wenn du bisher auf so etwas nie geachtet hast. Aber je öfter du das machst, umso mehr wird es zur Selbstverständlichkeit. Du musst darüber dann nicht mehr nachdenken. Es funktioniert vollautomatisch.

Wann gibt es geplante Trainingseinheiten?

Bei mir gibt es immer dann geplante Trainingseinheiten Zuhause, wenn irgendwo eine Baustelle auftaucht, die ich mit ungeplanter Ablenkung nicht üben möchte oder wenn ich sehe, dass der Hund es mit der Alltagsablenkung nicht schafft.

Dann überlege ich mir, wie ich das Training so gestalten kann, dass mein Hund es schnell und einfach lernt. Und wir jede Menge Spaß beim Üben haben.

Beispiele findest du, wenn du dir den Beitrag zu Mausis Krallen oder ihre Angst vor der Pfeife anschaust.

Geplante Trainingssessions gibt es bei mir auch für allen möglichen Quatsch, den meine Hunde so lernen: Spielsachen auseinanderhalten, verschiedene Verhalten an irgendwelchen Gegenständen oder Tricks für Dogdance.

Fazit

Aus meiner Sicht ist immer Training. Alleine deshalb ist es eine Illusion, zu glauben, dass man hübsch eins nach dem anderen abarbeiten kann.

Trotzdem macht es Sinn, Trainingseinheiten zu planen und durchzuführen, wenn das Tier etwas ganz neues lernen soll. Der Start für ein neues Verhalten passiert so gezielt und ohne Ablenkung. Das macht es für alle Beteiligten einfacher. Ist das geschafft, kannst du sehr schnell im Alltag weiter üben.

In diesen geplanten Trainingseinheiten übst du genau ein Verhalten.

Im Alltag passiert ständig etwas, gerne auch Unvorhergesehenes. Deshalb kannst du es gar nicht verhindern, an ganz viele Sachen parallel zu trainieren. Du hast zum Glück immer die Wahl, was du belohnst und was nicht. Es liegt in deiner Hand, was sich für deinen Hund lohnt. Und damit liegt es an dir, was dein Hund lernt.

Claudia

P.S.:  „Du hast die Wahl“

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