Mausi – Ui, so ein Pfiff ist gruselig

Hund hat Angst vor PfiffGestern stellte ich zufällig fest, dass Mausi ein bisschen panisch wird, wenn ich pfeife. Warum ich das doof finde und was ich dagegen tue, verrate ich dir hier.

Warum überhaupt eine Pfeife?

Ich bin ein Fan vom Rückruf mit der Pfeife. So ist garantiert, dass mein Rückruf nicht plötzlich völlig anders klingt, weil ich ein Rudel Rehe oder irgendwas anderes gesehen habe, von dem ich denke, dass es meinen Hund so sehr interessieren könnte, dass er vielleicht nicht kommt.

Allzu oft habe ich schon Hunde gesehen, die beim Training und ohne Ablenkung immer wunderbar zurück kamen. Hatte ihr Mensch allerdings etwas entdeckt und sorgte sich, dass der Rückruf nicht klappt, reagierten sie auf den Rückruf damit, sich umzuschauen, wo die Ablenkung ist.

Sie erkannten es sofort an der Stimmlage und der Art, wie sie gerufen wurden.

Klar, ein freundliches entspanntes „Hiiiiiiiiier“ hört sich natürlich auch ganz anders an als ein aufgeregtes „HIIIIEEEEEEEEEEEEEEEEEER“.

Seit ich mit meiner Shana eine sehr ambitionierte Jägerin hatte, habe ich meinen Rückruf auf die Pfeife umgestellt. So wusste sie nicht gleich, dass ich Wild gesehen habe, denn die Pfeife klingt immer gleich. Ich verwende am liebsten diese ACME-Pfeifen.

Aber das nur am Rande.

Rückruf nur selten nötig

Ich pfeife nur selten. Meine Hunde achten auf mich und wenn sie etwas sehen, kommen sie sowieso zu mir. Das finde ich wesentlich angenehmer als die ständige Ruferei.

Trotzdem haben wir den Pfiff mit der Hundepfeife geübt. Der bedeutet für meine Hunde, dass sie alle sofort zu mir kommen, egal, was sonst auf der Welt los ist.

Meistens pfeife ich und belohne meine Hunde, wenn sie sowieso schon auf mich zulaufen. Das passiert nicht jeden Tag. Es gibt nur selten eine Situation, in der ich der Meinung bin, dass ich pfeifen muss. Als ich vorgestern pfiff, wollte klein Mausi flüchten. Sie zog ihren Schwanz ein und wollte weg. Hat an der Schleppleine nicht funktioniert. Aber ohne wäre sie wohl erst mal ein ganzes Stück geflüchtet.

Das ist nicht Sinn der Übung. Im Gegenteil, sie soll ja verinnerlichen, dass der Pfiff eine absolut tolle super mega Belohnung ankündigt und zu mir gerast kommen.

Da ist Angst vor dem Pfeifgeräusch extrem hinderlich. Deshalb haben wir gestern eine kleine Indoor-Session eingelegt und einfach den Pfeifton mit viel Futter verknüpft.

Man spricht hier auch von Gegenkonditionierung. Das bedeutet, ein unangenehm verknüpfter Reiz soll so zu einem angenehm verknüpften Reiz werden.

Auf dem Video siehst du, dass Mausi anfangs ganz abhaut. Nach und nach wird sie immer mutiger und am Ende ist sie gleich zum Fressen da. Du siehst dort auch: Viel Futter ist wirklich viel Futter. Das sind nicht 3 Brocken Trockenfutter.

Ich bin sicher, wenn wir das jetzt noch zwei bis drei Mal machen, kommt sie drinnen schon angerast, wenn ich pfeife. Dann schaue ich, ob es draußen auch klappt. Wenn nicht, wiederhole ich dieses Spiel einfach draußen, bis Mausi es auch draußen toll findet, wenn ich pfeife.

Nicht immer so einfach

Eine Gegenkonditionierung ist nicht immer so einfach. Ich kenne Mausi inzwischen ganz gut und kann gut einschätzen, was sie schafft und was zu viel ist. Ich weiß auch, dass sie sehr schnell lernt. Je nachdem, wie groß so eine Angst ist und wie der Hund reagiert, ist viel mehr Aufwand erforderlich.

Man muss sich genau überlegen, mit was man startet. Ich habe anfangs nur sehr leise und kurz gepfiffen. Dann wurde der Pfiff lauter und länger. Wir sind da noch nicht bei meinem „normalen“ Pfiff für den Rückruf angelangt.

Damit man nicht mehr kaputt macht als es hilft, ist es bei solchen Angstgeschichten immer sinnvoll, sich kompetente Unterstützung hinzuzuziehen.

Und was ist mit dem Rückruf?

Übrigens habe ich ganz nebenbei so den Rückruf mit der Pfeife konditioniert. Ganz ohne großes Trara. Natürlich gehe ich nicht davon aus, dass der jetzt einfach so immer und in jedem Fall ohne weiteres Training funktioniert. Aber wir haben damit schon eine gute Basis.

Wenn du Anregungen für ein paar Rückrufspiele brauchst, schau dir mal meine Rückrufspiele und das WOW-Spiel an.

Meine Hunde laufen sehr oft frei. Für mich ist ein zuverlässiger Rückruf extrem wichtig. Den baut man nicht in einer Woche auf. Meine Hunde üben schon seit Jahren. Sie wissen, dass es sich lohnt, zu mir zu kommen.

Wenn auch dein Hund abends auf die Frage ‚Was war heute dein schönstes Erlebnis?‘ antworten würde: „Als mein Mensch mich gerufen hat und ich zu ihm rennen durfte.“ hast du es geschafft.

Geduld und reichlich Belohnung

Bleib dran. Sei nicht geizig. Belohne wirklich großzügig, wenn dein Hund sich dafür entscheidet, zu dir zu kommen. Und wenn dein Hund eher so der „Mal komme ich und mal komme ich nicht“-Typ ist, höre dir meine Podcast-Episode „Hilfe, mein Hund kommt nicht“ an. Dort erfährst du die Fehler, die am häufigsten gemacht werden und die dazu führen, dass der Hund nicht zuverlässig kommt, wenn du ihn rufst.

Claudia

P.S.: Übrigens habe ich schon vor vielen Jahren einen  Ratgeber „Wie auch dein Hund zuverlässig kommt“ geschrieben. Dort erkläre ich Schritt für Schritt, wie du einen zuverlässigen Rückruf aufbauen kannst.

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