Was hat dein Hund wirklich gelernt?

was hat dein Hund gelernt„Der weiß genau, was er tun soll!“

Heute möchte ich mal der Frage nachgehen, was der Hund wirklich verknüpft hat. Haben wir das Recht, zu behaupten, dass er genau weiß, was er tun soll und es nur aus Sturheit, Lustlosigkeit oder um uns zu ärgern nicht tut?

Ein Kunde von mir war felsenfest davon überzeugt, sein Hund tue so etwas, um ihn vor anderen Menschen zu blamieren. Ich gebe zu, unser gemeinsamer Weg war nicht sehr weit.

Was soll er lernen?

Wenn du deinem Hund etwas beibringen möchtest, ist das sehr oft nicht das Verhalten selbst. Vielmehr ist es die Verknüpfung von einem Signal mit einem Verhalten.

Hunde können von ganz alleine sitzen, stehen, suchen, neben dir laufen, zu dir gelaufen kommen, etwas ins Maul nehmen und tragen, sich verbeugen, auf die Seite legen, auf den Hinterbeinen stehen, etc. Das muss ihnen niemand beibringen.

Es geht vielmehr darum, dass der Hund lernt, was er auf welches Signal tun soll. Signale können Reize aller Art sein: Hörzeichen, Sichtzeichen, Reize aus der Umwelt, ein bestimmter Ort, ein Geruch, ein Geräusch.

Wenn mir jemand sagt, sein Hund setzt sich nur, wenn er ein Leckerli in der Hand hält, dann ist das Leckerli in der Hand das Signal für das Hinsetzen geworden. Der Hund hat verknüpft: Leckerli in der Hand bedeutet, dass er sich setzen soll und dann belohnt wird.

Du weißt nie, was verknüpft wird

Du kannst niemals wissen, was ein Lebewesen verknüpft. Das weißt du auch beim Menschen nicht. Wir machen bei der Fortbildung zum Trainingsspezialisten häufig Trainerspiele. Dabei bringt ein Mensch einem anderen etwas bei. Reden und vormachen ist verboten. Nur Lobwort oder Click ist erlaubt. Manchmal gibt es auch noch andere Regeln.

Ich erinnere mich sehr gut an ein Spiel, indem ich der Trainee war. Am Ende des Trainings sollte ich auf ein Blatt schreiben, was ich gelernt habe. Die Trainingssession hat richtig Spaß gemacht. Ich machte sehr schnell alles richtig und wusste nach kurzer Zeit, dass ich das blaue Klötzchen aus vier verschiedenfarbigen Bausteinen antippen sollte. Die anderen gaben keinen Click und keine Bezahlung. Bei unseren Trainerspielen gibt es Spielgeld statt Leckerli.

Und dann kam die Auflösung: Ich sollte immer das antippen, das am weitesten vorne lag. Ich fiel aus allen Wolken. Das war mir gar nicht aufgefallen. Darauf hatte ich überhaupt nicht geachtet. Ich war nur auf die Farbe fixiert gewesen.

Die Trainer hatten gemeinerweise die Aufgabe bekommen, den anzutippenden Gegenstand gleichzeitig auch immer am weitesten nach vorne zu legen. Vielleicht denkst du jetzt, das ist doch viel zu offensichtlich. Merkt doch jeder. Genauso wie ich gedacht habe, bestimmt haben alle die Farbe verknüpft. Nein, wenn du das nicht weißt, achtest du da nicht drauf. Und die Teilnehmer haben auch nicht alle dasselbe verknüpft. Ca. die Hälfte der Teilnehmer hatte gelernt, das Vordere anzutippen, die andere Hälfte hatte gelernt, das Blaue anzutippen. Alle waren sicher, dass sie es genau richtig verknüpft haben.

Natürlich hätte man mit einer geschickteren Positionierung der Gegenstände ein anderes Ergebnis erzielt. Aber genauso wenig wie ich als Trainee auf die Position geachtet habe, merkst du als Trainer deines Hundes möglicherweise, dass du unbeabsichtigt ein anderes Muster gleichzeitig hast.

Beim Menschen hast du den Vorteil, du kannst du fragen: „Was hast du gelernt?“

Frag deinen Hund

Die gute Nachricht ist. Auch deinen Hund kannst du fragen. Es ist nicht ganz so einfach wie beim Menschen.

test was verknuepft wurde

Nehmen wir an, du willst herausfinden, ob dein Hund überhaupt das Wörtchen „sitz“ verknüpft hat. Was könntest du dann tun?

Probiere verschiedene Sachen aus. Ein erster einfacher Test ist es, wenn der Hund hinter einer Wand ist und dich nicht sehen kann. Macht er „Sitz“, wenn er nur deine Stimme hört und dich nicht sieht?

Eine Hilfsperson, die dir zurückmeldet, ob er es gemacht hat, ist dabei sehr hilfreich. Natürlich kannst du auch nach dem Sitz schauen, ob er sitzt. Du weißt dann aber nicht, ob er das aufgrund von deinem „sitz“ gemacht hat oder schon vorher gesessen hat. Gar nicht so einfach mit der Überprüfung, oder?

Eventuell kannst du auch einen Spiegel geschickt positionieren, sodass du deinen Hund sehen kannst. Oder eine Kamera, die mit dem Smartphone verbunden ist.

Dein Hund setzt sich auf das Signal, auch wenn er dich nicht sieht? Super, dann hat er wohl wirklich das Wörtchen „sitz“ verknüpft. Setzt er sich nicht? Dann kann es zumindest das Wort alleine nicht sein. Möchtest du herausfinden, welches Signal dein Hund verknüpft hat, kann es etwas komplizierter werden.

Du kannst verschiedene Dinge probieren:

  • Dreh ihm den Rücken zu, schau in die andere Richtung
  • Dreh ihm den Rücken zu, schau über die Schulter zum Hund
  • Dreh dich zum Hund und stülpe einen Karton über den Kopf
  • Hock dich hin
  • Sag dein „sitz“ ohne Ton, also  mach nur die Lippenbewegung

Mach dir bewusst, welche Körperteile du bewegst. Merke dir, wie deine Ausrichtung zum Hund ist. Beobachte deinen Hund. Wo schaut er hin? Worauf achtet er? Vielleicht stellst du nach vielen Experimenten fest, es ist ein Zucken mit dem rechten Arm. Möglicherweise ein Überbleibsel aus der Zeit, als du ihn mit dem Leckerli ins Sitz gelockt und später die Handbewegung „ausgeschlichen“ hast.

Das „Ausschleichen“ ist eine beliebte Form des Übens bei vielen Trainern.

Der grobe Ablauf ist so:

  • Hund wird mit „sitz“ und Leckerli ins Sitz gelockt
  • Hund wird mit „sitz“ ohne Leckerli ins Sitz gelockt
  • Dann soll die Handbewegung immer kleiner werden, damit am Ende nur noch das „sitz“ da ist.

Es kann durchaus passieren, dass der Hund lernt, sich auf „sitz“ zu setzen. Es kann genauso gut passieren, dass der Hund lernt, auf die allerkleinste Bewegung des Lockarms zu achten. Und am Ende reicht ein Muskelzucken, das du nicht mal bewusst machst.

Hunde sind sehr gute Beobachter und Körpersprache ist im Gegensatz zu Worten ihre Spezialität. Fest steht, du kannst einen noch so guten Plan machen und ein tolles Training durchführen. Am Ende weißt du nicht, was dein Gegenüber verknüpft.

hinterfragenHinterfrage kritisch

Prüfe auf jeden Fall kritisch, ob dein Hund das verknüpft hat, was du dir gedacht hast, bevor du ihn als stur bezeichnest und ihm unterstellst, er weiß ganz genau, was er zu tun hat. Ich versuche immer, kritisch zu hinterfragen, wenn ich etwas übe. Oft sieht es auf den ersten Blick so aus, als ob der Hund es „verstanden“ hat. Und dann stelle ich die Frage etwas anders und zack – er kann es nicht.

Ups. Da wurde wohl doch etwas anderes verknüpft.

Kein Drama

Normalerweise ist das mit der Fehlverknüpfung kein Drama. Wir machen die unbewusste Bewegung ja sowieso und der Hund weiß, um was es geht. Nur, wenn das fehlt und der Arm nicht zuckt, weil er gerade eine schwere Einkaufstasche trägt, versteht der Hund das „sitz“ nicht.

Meine Bitte an dich an dieser Stelle: Frag dich, was anders ist und was dazu führen könnte, dass dein Hund dich gerade nicht versteht. Unterstelle nicht deinem Hund, dass er es genau weiß.

Ich bin davon überzeugt, dass der Hund es tut, wenn er weiß, was er tun soll. Cleo führt die Wortsignale, die sie kennt, immer aus. Das geht sogar so weit, dass sie merkt, wenn sie etwas verwechselt hat. Und sich selbst korrigiert.

Ist das nicht super spannend?

Findest du es nicht auch spannend, den Hund zu beobachten und herauszufinden, was er tatsächlich gelernt hat?

Wenn dein Hund das nächste Mal nicht so reagiert, wie du möchtest und du davon überzeugt bist, dass er das wirklich kann, überprüfe es einfach mal.

Also ich liebe ja so etwas. Zu diesem Thema habe ich den Online-Kurs „Testspiele“ mit unterhaltsamen und aufschlussreichen Spielen zu dem Thema erstellt.

Da findest du Anregungen für Zuhause und Unterwegs, die dir dabei helfen, herauszufinden, ob dein Hund tatsächlich das gelernt hat, was du geplant hattest.

Fazit

Du kannst nie wissen, was dein Gegenüber verknüpft.

Unterstelle ihm nie Sturheit, sondern geh davon aus, dass es klappt, wenn das Richtige verknüpft wurde.

Stelle deinem Gegenüber die Frage: „Was hast du gelernt?“

Bei Menschen kannst du direkt fragen.

Wie du bei deinem Hund fragen kannst, hast du weiter oben erfahren und noch mehr dazu findest du in den Testspielen.

Ich wünsche dir spannende Erkenntnisse und viel Spaß beim Herausfinden, was dein Hund wirklich gelernt hat.

Claudia

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