Episode 67 – Verdammt, der muss da nicht durch

verdammt, der muss da nicht durch

Ich hatte mir ja vorgenommen, mich nicht aufzuregen. Aber wenn ich dann so etwas erzählt bekomme wie das „Da muss er eben durch“ vom Hundefrisör, regt es mich doch auf.

Denn das ist falsch. Warum? Hör rein!

Episode 67 – Verdammt, der muss da nicht durch

Als ich letztens eine Bekannte fragte, warum ihr Hund so „zerrupft“ aussieht, erfuhr ich diese Geschichte:

Was war passiert?

Sie war mit ihrem ganz jungen Hund – fast noch ein Welpe – das erste Mal beim Hundefrisör. Und da sie zuvor noch nie einen Hund hatte, mit dem sie zum Frisör musste, wusste sie gar nicht, was auf sie zukommt.

Und was auf den kleinen Hund zukommt.

Der ist ziemlich lebhaft. Und hatte überhaupt nicht die Idee, auf dem Frisörtisch für längere Zeit ruhig zu stehen. Woraufhin sich die Frisörin den kleinen Hund so schnappte, dass er anfing zu röcheln und sich nicht mehr bewegen konnte.

Mit den Worten „Das muss er lernen. Da muss er durch!“ machte sie sich dann an dem armen Tier zu schaffen.

Zum Glück kein bleibender Schaden

Das Ergebnis sah nicht gerade profihaft aus. Meine Bekannte war völlig traumatisiert und am heulen. Der kleine Hund hat es zum Glück besser verkraftet.

Zum Glück. Denn ich kenne auch andere Fälle. Bei denen das Thema Frisör und sogar Tierarzt – weil ähnliche Situation – sich erst mal erledigt hatte.

Das muss nicht sein

Ganz ehrlich: Hundefrisör oder Tierarzt sollte und muss kein Alptraum für dich oder deinen Hund oder den Tierarzt / Hundefrisör sein.

Leider sind einige in dieser Beziehung noch nicht ganz auf dem neuesten Stand. Sie wissen es nicht besser und denken, das geht nicht anders.

Überleg doch mal: Mit den Tieren im Zoo wird inzwischen ganz viel Tierarzt-Training gemacht. So kann man sie viel stressfreier behandeln und bringt Pfleger und Tierärzte viel weniger in Gefahr. Man spart sich darüber hinaus ganz häufig eine Narkose.

Warum sollte das, was bei einem Löwen, Affen oder Elefanten funktioniert, ausgerechnet bei einem Pudel nicht funktionieren? Warum soll der „da durch müssen“?

Die gute Nachricht ist: Es funktioniert auch bei deinem Hund! Egal, ob Pudel, Dackel, Terrier oder Labrador. Wirklich.

Medical Training

Das Training nennt man neudeutsch medical Training. Damit ist nichts anderes gemeint als Tierarzttraining. Das Training hilft dir auch beim Hundefrisör. Oder dir selbst, wenn du z.B. eine Zecke entfernen, Augentropfen geben, Krallen kürzen oder Ohren reinigen musst.

Deshalb solltest du das auf jeden Fall mit deinem Hund üben. In meinem Online-Kurs für Welpenbesitzer „Traumhund-Generator“ gibt es jede Woche eine kleine Übung zu diesem Thema. Dort heißt es noch ganz altmodisch Handling-Übung. Ist im Prinzip aber dasselbe.

Es ist nie zu spät

Natürlich ist es optimal, wenn du vom ersten Tag an mit deinem Welpen übst.

Aber die gute Nachricht ist: Du kannst jederzeit anfangen, wenn du das bisher verpasst hast.  Denn dein Hund lernt lebenslang.

Als ich meine Jule aus dem Tierheim holte, war sie 5 Jahre. Die Tierheim-Mitarbeiter haben sich nicht mal getraut, ihr die Pfoten abzuwischen. An Kämmen oder Bürsten war nicht zu denken. Meine Jule rannte davon, wenn man die Hundebürste in die Hand nahm.

Das mit den Pfoten abwischen hatten wir nach 10 Minuten trainiert. Bis ich sie kämmen konnte, brauchte es ein bisschen länger. Aber sie hatte da wirklich Panik. Warum auch immer. Deshalb sind wir ganz kleinschrittig an das Training gegangen.

Ist also machbar. Auch mit einem traumatisierten Hund.

Einfache Übungen, die jeder können sollte

Es gibt meiner Meinung nach zwei Übungen, die man ziemlich schnell mit seinem Hund üben kann. Und die jeder können sollte: Die Kinnübung und das Tragen eines Maulkorbs.

Mit der Kinnübung kannst du deinen Hund prima an einer Stelle „festtackern“.

Wenn der Hund einen Maulkorb gewöhnt ist, kannst du im Zweifelsfall immer den Maulkorb aufziehen, wenn etwas gemacht werden muss, was du bisher nicht geübt hast.

Oder etwas sehr schmerzhaft ist. Dann entsteht zumindest durch das Tragen des Maulkorbs kein zusätzlicher Stress. Weil dein Hund den schon kennt und mag.

Und es sind alle Beteiligten vor Verletzungen geschützt.

Extra Training notwendig für Tierarzt und Frisör

Natürlich ist das Anfassen durch den Tierarzt oder den Hundefrisör nochmals etwas ganz anderes als wenn du selbst deinen Hund anfasst.

Die Situation kannst du aber durchaus üben. Du brauchst einen Tisch und eine Hilfsperson. Und vielleicht hast du sogar einen Tierarzt, der sich freut, wenn er dich beim Training unterstützen kann und du darfst einfach mal kurz kommen.

Übrigens macht es sich sowieso gut, mal mit dem gesunden Hund beim Tierarzt vorstellig zu werden. So lernt er deinen Hund schon mal im gesunden Zustand kennen. Dein Hund lernt das ganze Drumherum kennen ohne negative Erfahrungen zu machen. Und wenn es dafür noch ganz viele Leckerli gibt, geht er am Ende richtig gerne hin.

Kooperationssignal

Ich finde die Idee mit dem Kooperationssignal fantastisch. Da lernt dein Hund, dass er selbst entscheiden kann, wann es ihm zu viel wird.

Das ist prima für beide Seiten: Der Hund fühlt sich sicherer. Dadurch macht er viel besser mit. Der Mensch bekommt eine klare Rückmeldung vom Hund, wann die Grenze erreicht ist. So kann er sein Training viel besser auf den Hund anpassen.

Wenn du die Idee auch toll findest, schau dir doch mal den Kurs „Kooperationssignal“ von meiner Kollegin Nicole Stein an. Sie ist Tierärztin und Tiertrainerin und erklärt Schritt für Schritt zum Nachmachen, wie du so ein Kooperationssignal aufbauen kannst mit deinem Hund.

Der muss da nicht durch

Es gibt inzwischen so viele Angebote und Anleitungen zu diesem Thema. Und zum Glück auch entsprechende Fortbildungen für Tierärzte und Hundefrisöre. So dass auch in diesen Berufsgruppen immer mehr Menschen das Thema kennen und viele bereit sind, dich da mit deinem Tier zu unterstützen.

Wenn du also an einen Kollegen oder eine Kollegin gerätst, die meint „Da muss er eben durch.“, hinterfrage zumindest kritisch.

Beim Hundefrisör muss er da auf keinen Fall durch. Natürlich sollte der Hundefrisör nicht ausbaden, wenn du noch nicht geübt hast. Es liegt in deiner Verantwortung, mit deinem Hund zu üben. Aber einen vernünftigen Umgang mit dem Tier kannst du erwarten.

Ist das nicht gegeben, hast du die Freiheit, wieder zu gehen. Du hast die Wahl.

Und wenn es sein muss?

Beim Tierarzt kann es Situationen geben, die tatsächlich unangenehm sind und die du vorher nicht üben kannst. Vor allem, wenn du deinen Hund vielleicht gerade erst übernommen hast. Und er dann krank wird.

Deshalb ist immer eine der ersten Übungen, die ich mit meinen Pflegehunden gemacht habe, das Maulkorb-Training. Denn oft musste ich auch in der ersten Woche mit einem Kandidaten zum Tierarzt, der alles war, nur nicht freundlich. Schon gar nicht mit Fremden. Und schon gar nicht in einer Tierarzt-Situation.

Den Maulkorb habe ich in ein paar Trainingseinheiten auftrainiert. So habe ich auf jeden Fall schon mal den ersten Stressfaktor weg. Wenn ich dann noch einen Termin vereinbare, wo ich kein stressiges Warten im Wartezimmer habe, ist der nächste Stressfaktor weg.

Glaub mir, das erleichtert auch mit so einem Tier die Behandlung am Ende ungemein.

Und wenn man dann ein viertel Jahr später mal zum Ultraschall muss mit diesem Hund und die Tierärztin einen fragt, ob die neue Assistentin mit ihm üben darf, weil er das so toll macht und so brav ist, freut man sich als Trainerin natürlich auch.

Es lohnt sich also. Schau ruhig mal bei Nicole Stein auf dem Blog zum Medical Training vorbei. Dort bekommst du eine Menge Tipps. Damit dein Hund keine schlechte Erfahrung macht.

Denn der muss da  nicht durch! Das musste mal gesagt werden!!!

Claudia

Zusammenfassung

  • Sorge mit entsprechendem Training dafür, dass dein Hund Tierarzt und/oder Hundefrisör toll findet
  • Suche die Kollegen und Kolleginnen aus, die dich dabei unterstützen und mit dir und deinem Hund kooperieren
  • Mache die Kinnübung und Maulkorbtraining – denn das sollte jeder Hund können
  • Das Training eines Kooperationssignals ist eine fantastische Idee
  • Hinterfrage immer kritisch, wenn dir jemand sagt: „Da muss er eben durch“

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