Mein Hund bellt alles und jeden an – Was tun?

Hilfe - mein Hund bellt alles anHeute möchte ich auf eine Frage eingehen, die mich dieser Tage per Mail erreichte. Die Problematik ist nicht ganz so selten. Könnte daran liegen, dass ein Hund ein Hund ist. 😉

„Ich habe einen 3 Jahre alten Foxterrier. Wenn er mit mir unterwegs ist, bellt er jeden an. Ich kann nicht mal  mit den Nachbarn über den Gartenzaun sprechen. Wenn die Postfrau kommt, glaubt man, er frisst sie. LKWs u Radfahrer verbellt er auf der Straße genauso wie vom Garten aus. Dabei ist er zu Hause ein richtiger Schmusehund. Claudia, kannst du mir helfen?“

Gute und schlechte Nachrichten

Die gute Nachricht ist: Ja, kann ich.

Die schlechte Nachricht ist: Es wird sich nicht auf Knopfdruck bessern und du musst etwas dafür tun. Mal eben mit einem Tipp via Mail klappt das nicht.

Hunde bellen

Ich habe schon öfter erwähnt, dass Hunde bellen. Und bin immer wieder erstaunt, dass die Menschen sich wundern, dass ihr Hund bellt.

Klar, die meisten Welpen bellen zunächst nicht. Vielleicht mal, wenn ihnen etwas unheimlich ist oder sie ein bisschen Angst haben. Aber wenn sie erwachsen werden, fangen sie auch aus anderen Gründen an zu bellen.

Unter anderem, weil sie sagen: „Alarm, Alarm. Da kommt jemand oder da ist ein Geräusch!“ Genau dafür wurden ganz viele Hunde über Jahrhunderte genutzt. Und wir wundern uns jetzt, dass sie genau das tun. Dasbei ist das völlig normal.

Wenn die Post kommt, ist das für den Hund durchaus ein Grund zu bellen. Da kommt jemand, der nicht zur Familie gehört.

Hund bellt am ZaunWie kann man mit dem Bellen umgehen?

Wie man damit umgeht, muss sich jeder selbst überlegen. Was möchtest du denn haben? Was soll dein Hund tun?

Ich habe früher sehr abgelegen gewohnt und ich war froh, dass meine Hunde angeschlagen haben, wenn jemand kommt. Wohne ich in einem Mehrfamilienhaus, ist das eher suboptimal und könnte die Nachbarn stören, wenn der Hund bei jedem Geräusch oder Besuch ein Riesentheater macht. Andererseits fänden sie das Bellen vielleicht gar nicht mal schlecht, wenn es sich um einen Einbrecher handelt.

Will ich das Verhalten des Hundes ändern, muss ich mir zunächst überlegen, was genau ich eigentlich in der Situation möchte. Und dann kann ich mich ans Training machen.

Unterschiedliche Motive

Menschen, Radfahrer oder andere Hunde in Begegnungssituationen anzubellen, ist eine ganz andere Baustelle. Das haben die Menschen ihrem Hund fast immer selbst beigebracht. Okay, wer einen Tierschutzhund übernimmt, bekommt das oft kostenlos dazu.

Auch hier die gute Nachricht: Man kann das Verhalten ändern. Und auch hier beginnt es damit, dass man sich überlegen muss, was soll mein Hund eigentlich tun?

Dann kann man mit dem Training starten. Da dieses Problem so häufig auftritt, gibt es dazu von mir einen Online-Kurs „Endlich Schluss mit der Leineaggression“. Das ist zumindest ein guter Start. Du hast den ersten wichtigen Schritt getan. Allerdings musst du die Tipps auch konsequent umsetzen und dranbleiben. Nur lesen und Videos schauen hilft nicht.

Kommst du dann nicht alleine klar oder es klappt nicht so richtig, kannst du dir gerne individuelle Unterstützung holen.

Es kann sich auch um Jagdverhalten handeln

Wenn der Hund bellend Radfahrern, Autos oder Joggern hinterherjagt, ist das noch eine andere Baustelle. Hunde sind Beutegreifer. Auch das vergessen wir gerne. Sich schnell bewegenden Objekten hinterherzujagen, ist für sie völlig normales Verhalten. Aus verständlichen Gründen wollen wir das nicht.

Einmal mehr: Was soll dein Hund tun, wenn er ein Auto, ein Motorrad oder einen Radfahrer sieht? Wie soll er sich verhalten? Was erwartest du von ihm?

Unsere Hunde können nicht hellsehen. Sie machen das, was in ihrer Natur liegt, wenn wir ihnen nichts anderes beibringen. Es liegt an uns, ihnen zu vermitteln, was wir erwarten.

kein stempel nur in meinem kopfWas tun?

Der erste Schritt ist in jedem Fall, dass wir selber wissen, was wir wollen.

Dann bekomme ich meist zu hören: „Naja, er soll halt nicht bellen und nicht zerren.“

Ich frage dann so etwas wie: „Soll er lieber an dir hochspringen und in deine Hände beißen?“

Ja, ich gebe zu, diese Frage ist etwas provokant und ich wurde schon des Öfteren dafür beschimpft.

Damit möchte ich einfach ganz klar machen, dass etwas „nicht tun“ absolut nichts darüber aussagt, was der Hund tun soll.

Nochmal: „Was soll der Hund tun?“

Überlege dir das ganz genau. Wovon träumst du? Vielleicht kennst du ja einen Hund, der es so macht, wie du dir das bei deinem wünscht. Dann beschreibe das mal genau. Schreib mal auf, was dieser Hund macht.

Beispiel: „Mein Hund soll an lockerer Leine rechts oder links neben mir laufen. Er soll dabei ruhig sein und zu mir schauen. Ich nehme ihn immer so, dass ich zwischen ihm und dem anderen Hund bin, weil ich gemerkt habe, dass ihm das Sicherheit gibt.“

Gar nicht so schwer, oder? Jetzt hast du ein Ziel. Jetzt weißt du, wohin du möchtest. Jetzt gilt es noch, herauszufinden, was davon dein Hund schon kann, denn das darfst und solltest du nutzen.

Das Training kann beginnen

Damit hast du einen Ausgangspunkt. Also Start und Ziel sind jetzt bekannt. Und damit kann es ans Training gehen. Wenn du nicht weißt, wie du so etwas mit deinem Hund übst, schau dir unbedingt den Online-Kurs „Endlich Schluss mit der Leineaggression“ an. Dort bekommst du Schritt-für-Schritt-Anleitungen, mit denen du das üben kannst.

Was du nicht erwarten kannst, ist, dass du alles machst wie bisher und dein Hund sein Verhalten ändert. Das funktioniert leider nicht.

Viele Baustellen

Bestimmt hast du inzwischen erkannt, dass so ein „Mein Hund bellt“-Problem eben nicht nur ein Problem ist, dass man mal eben mit einem kleinen Tipp lösen kann. Ein bisschen genauer hinschauen muss man immer.

Ich schaue dann bei der individuellen Beratung noch genauer hin.

  • Welche Situationen?
  • Was genau tut der Hund wann?
  • Was tut der Mensch?

Oft ist gar keine riesige Veränderung notwendig. Denn ganz häufig passt einfach das Timing nicht oder der Mensch merkt nicht, dass er seinen Hund unabsichtlich belohnt für das Verhalten, das er gar nicht haben möchte.

Wenn man sich überlegt, dass so ein Hund 12 – 18 Jahre alt wird, lohnt es sich, sich jetzt ans Training zu machen. Damit alle Beteiligten – ja, auch der Hund, denn für den ist das auch stressig – entspannte Jahre miteinander verbringen können.

Claudia

P.S.: Hast du schon meine Podcast-Episode „Hilfe, mein Hund bellt“ gehört?

Click Here to Leave a Comment Below 0 comments