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Sind Hundespielstunden wirklich so geil?

hundespielstunden„In unserer Hundeschule gibt es eine Spielstunde, die nur zum rennen und spielen der Hunde da ist. Es kommt vor, dass auf dem Platz bis zu 15 Hunde herumtoben. Und ein paar sind dabei – meiner leider auch -, die immer wieder mal bei den anderen aufreiten.

Die Hundebesitzer sind stocksauer und fordern mich auf, besser auf meinen Hund aufzupassen. Ich krieg’s vor allen Dingen deshalb ab, weil mein Hund ziemlich groß ist – bei den Kleinen finden sie es oft lustig.

Ich erkläre mir das so, dass bei dem ganzen Tumult einige Hunde versuchen, eine Rangordnung herzustellen. Kann sein, dass das totaler Quatsch ist, aber in Kursen mit weniger Hunden macht mein Hund das nicht.

Das Problem ist, dass ich nicht weiß, wie ich dieses Verhalten unterbinden soll, zumal es oft am anderen Ende des Platzes weit entfernt von mir stattfindet. Die einzige Idee, die ich habe, ist, einfach nicht mehr hinzugehen. Täte mir aber sehr leid, weil Teddy super gerne spielt.“

Hören statt Lesen

Ich mag keine Hundespielstunden

Um es gleich vorweg zu sagen. Ich bin überhaupt kein Fan dieser Spielestunden. Mir erschließt sich einfach der Sinn nicht.

Und wenn jemand schon solche Stunden veranstaltet, dann sollte er auch in der Lage sein, solche Situationen zu händeln. Entweder kümmert er sich selber oder gibt konkrete Anleitung an den jeweiligen Besitzer.

Aber gut. Zur Situation.

Schwer zu beurteilen

Auch hier vorweg die ganz klare Aussage: Ohne dabei zu sein oder ein Video, auf dem man längere Zeit die komplette Situation beobachten kann, treffe ich persönlich keine Aussage zu dem konkreten Fall. Denn die kann grundverkehrt sein. Ich kenne weder den Hund noch den Mensch noch weiß ich, wie die Situation entstanden ist.

Grundsätzliches zu Hundespielstunden

Hier meine – völlig subjektive – Meinung grundsätzlich zu solchen Spielstunden und was dort passiert:

hundespielstunden traum oder traumaWie sehen diese Hundespielstunden leider meistens aus?

Da treffen unzählige Hunde aufeinander, die sich nicht oder nur flüchtig kennen. Dazwischen sind vielleicht welche, die sich sehr gut kennen und zusammenrotten. Große und kleine, junge und alte rennen wild durcheinander.

Die Menschen stehen am Rand und halten sich raus. Wenn der eigene Hund kommt, wird er wieder zum Spielen geschickt. Ist doch schließlich Spielstunde. Deshalb ist man ja dort.

Benimmt sich ein Hund nicht nach den Vorstellungen der Menschen – wie z.B. oben beschrieben oder weil er sich vielleicht auf einen anderen Hund stürzt -, wird der Mensch beschimpft, dass er seinen Hund zur Ordnung rufen muss.

Was soll das bringen?

Was in der Regel nicht passiert, ist, sich zu fragen, warum diese Situation entsteht.

Da frage ich mich: Was soll das bringen?

Für den Hund bringt es außer dem Wissen, dass er in dieser Stunde auf sich allein gestellt ist und sein Mensch anderweitig beschäftigt ist, nichts.

Naja, vielleicht hat der ein oder andere tatsächlich Spaß. Meist sind das die Überlegenen, die eher Jäger als Gejagte sind. Aber ist das wirklich Spaß? Ich weiß es nicht.

Für die anderen ist es überhaupt nicht spaßig. Denn ich habe beobachtet, dass oft gar nicht erkannt wird, dass einige Hunde die ganze Zeit nur auf der Flucht sind. Und für die ist das Stress pur. Das hat übrigens nichts mit der Größe zu tun.

Was hinzu kommt: Für kleinere Hunde sind solche Spielstunden durchaus körperlich gefährlich. Sie müssen nur im Eifer des Gefechts mal unglücklich überrannt werden. Da gab es schon den ein oder anderen, der das nicht überlebt hat. Und nein, da war kein „böser Hund“ dabei. Einfach dumm gelaufen.

Was ich außerdem beobachtet habe, ist das Zusammenrotten von Hunden, die öfter dabei sind. Sie schließen sich zusammen und jagen gemeinsam andere. Da wird dann ein Hund von einer ganzen Meute gejagt.

„Die rennen ja so toll. So ein Spaß!“

Was für ein absoluter Oberquatsch. Das ist Jagen und gejagt werden und hat mit Spaß aber auch absolut Null zu tun.

Ich hatte 20 Jahre eine Hundepension mit Rudelhaltung. Und ich habe immer darauf geachtet, dass solche Situationen nicht entstehen. Niemals haben die Hunde, obwohl sie es den ganzen Tag hätten tun können, so miteinander gespielt, wie das in diesen Spielestunden veranstaltet wird.

Aus meiner Sicht ist das für die Hunde nach spätestes 5 Minuten Stress pur.

Und dann passiert genau das, was oben beschrieben wird. Einige Hunde fangen an aufzureiten. Das ist schlicht und ergreifend eine Übersprungshandlung.

Keine Dominanz, kein Herstellen irgendeiner dubiosen Rangordnung und kein Sexualtrieb (ich hoffe mal inständig, dass keine läufige Hündin bei den Spielen dabei ist). Sondern schlicht eine Übersprungshandlung, weil das alles zu viel ist. Der eine rennt dann, der andere reitet auf, der nächste markiert wie wild. Hat halt jeder so seine Art zum Stressabbau.

Was hat der Mensch von solchen Hundespielstunden?

Hundespielstunden großer spaßDen Hund sozialisieren wurde mir genannt als Grund für diese Veranstaltungen. Sorry, aber den Hund mit einer Horde Hunde, die ich nicht kenne, sozialisieren? Im allerschlimmsten Fall lernt er, dass andere Hunde saudoof sind und man sich die besser vom Hals hält.

Keine Ahnung, was man als Mensch davon noch hat. Wenn einem wichtig ist, dass der Hund lernt, wenn viele andere Hunde da sind, ist mein Mensch uninteressant und will sich eh nicht um mich kümmern, macht das Sinn. Könnte passieren, dass der Hund das lernt.

Mit anderen Hundehaltern quatschen und dass man sich dank Zaun nicht um einen abhauenden Hund kümmern muss, ist für einige Menschen bestimmt auch ganz nett.

Das Gefühl, seinem Hund etwas Gutes zu tun, ist bestimmt ein Grund, zur Spielestunde zu gehen. Die Frage ist, ob man dem Hund wirklich etwas Gutes tut.

Da ich keinen Sinn in solchen Treffen sehe, fehlt mir da irgendwie der Zugang. Vielleicht magst du deinen Grund in den Kommentar schreiben.

Harte Worte? Ja. Aber so sehe ich das.

Und was ist mit dem Dominanzverhalten und der Rudelbildung?

Nix, vergiss es einfach. Ein für eine Stunde wild zusammen gewürfelter Haufen von Hunden bildet kein Rudel und keine Rangordnung. Das ist wirklich absoluter Quatsch.

Wenn man sich mal die Mühe macht, solche Treffen über längere Zeit zu filmen und zu analysieren, sieht man ziemlich gut, was tatsächlich passiert. Und auch, warum die Hunde Übersprungshandlungen zeigen.

Welche Alternativen gibt es?

Wenn ich mit meinen Hunden zu so einem Treffen gehen würde, stünden sie bei mir und würden nicht mitmachen. Sie finden es viel spannender, mit mir etwas zu unternehmen.

Meine Hunde haben ein paar Hundefreunde. Die besuchen uns auch manchmal Zuhause oder wir treffen uns und laufen gemeinsam. Ja, sie rennen dann vielleicht auch mal. Und ja, sie spielen vielleicht auch mal. Aber nicht lange. Eine halbe Minute oder so. Oder die Spiele werden dann ruhiger. Nur zwei Hunde, die sich wirklich gut verstehen, interagieren miteinander. Meistens im Liegen.

Die anderen werden in Ruhe gelassen und nicht belästigt.

Kleinere Gruppen mit fester Zusammensetzung

Die Antwort für den oben beschriebenen Fall steht aus meiner Sicht schon in der Frage:

„…in Kursen mit weniger Hunden macht mein Hund das nicht.“

Das ist viel unaufgeregter. In den Kursen wird zwischendurch geübt. Die Zusammensetzung der Gruppe bleibt in der Regel gleich. Die Anzahl der Hunde ist überschaubar. Die Stimmung ist viel ruhiger und gelassener. Der Stresspegel ist viel niedriger. Keine Übersprungshandlung notwendig, weil kein Stress da ist.

Auf jeden Fall sollte bei solchen Hundespielstunden immer ein erfahrener Mensch anwesend sein, der im Zweifelsfall das Spiel beendet – und zwar lieber zu früh als zu spät.

Gemeinsame Spaziergänge sind in der Regel viel entspannter als Gerenne an einem Ort.

Auch Spaziergänge können schief gehen

Apropos Spaziergänge. Das kann noch schlimmer sein als so ein Treffen auf dem Hundeplatz. Wie heißt es so schön? Schlimmer geht immer.

Ich habe einmal (!!!) an so einer von einer FB-Gassigehgruppe ins Leben gerufenen Runde teilgenommen. Und mich in Grund und Boden geschämt. Mir ist ja nix peinlich, aber das war einfach so unverschämt und unhöflich dem Rest der Welt gegenüber, dass ich schon nach 5 Minuten weit hinter der Gruppe gelaufen bin. Damit bloß keiner auf die Idee kommt, dass ich dazu gehöre.

Ein paar dieser Hunde kannten sich offenbar und hatten eine Menge Spaß daran, andere Hunde permanent zu mobben und zu jagen. Gut, muss jeder, der da mitläuft und seinem Hund das zumutet, für sich und seinen Hund selbst entscheiden.

Aber diese null erzogenen Hunde einfach auf den – völlig unbeteiligten – Rest der Welt loszulassen, da war bei mir dann Schluss. Wenigstens, wenn einem jemand begegnet -egal, ob mit oder ohne Hund, sorge ich dafür, dass mein Hund den nicht belästigt. Aber da wurde nicht mal der Versuch unternommen, die Hunde zurückzurufen, wenn jemand entgegen kam.

Vermutlich hätten die Hunde eh nicht gehört und sie wurden einfach deshalb laufen gelassen. Keine Ahnung. Ich war nur dieses eine Mal und auch nur aus der Ferne dabei mit einer anderen Frau, die sich zu mir gesellt hatte und der das genauso unangenehm war wie mir. Einmal und nie wieder. Das ist nix für mich.

Fazit

Ich sehe keinen Sinn in reinen Hundespielstunden. Ich habe darüber schon öfter mit anderen Hundetrainern diskutiert, die so etwas anbieten. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Manche machen das geführt in Kleingruppen. Und achten darauf, dass kein Hund gemobbt wird. Und machen Spielpausen. Das ist okay.

Ich rate dir: Bevor du an solchen Hundespielstunden teilnimmst, schau sie dir zumindest erst an. Versichere dich, dass dort ein kompetenter Mensch ist, der das Geschehen beobachtet und im Zweifelsfall auch unterbricht. Und zwar nicht mit der Brechstange. (Ja, auch das habe ich schon gesehen leider).

Wenn du dort bist, filme mal deinen Hund, am besten über einen längeren Zeitraum. Mindestens 10 Minuten. Schau dir das Zuhause in Ruhe an. Mehrmals. Nochmals. Vielleicht auch mal in Zeitlupe, vielleicht an einigen Stellen mal anhalten und das Standbild ansehen.

Bist du immer noch sicher, dass es ein Riesenspaß für deinen Hund ist? Kritisch hinterfragen hat noch nie geschadet.

Und dann entscheiden. Im Sinne deines Hundes. Damit er sich wohlfühlt und du nicht versehentlich nur deine Bedürfnisse befriedigst.

Claudia

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