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Hund legt sich hin, wenn er andere Hunde sieht

Hinlegen und starren ist unhöflichHeute geht es mal um die Hunde, die NICHT an der Leine pöbeln, wenn ihnen ein anderer Hund begegnet. Und trotzdem von so ziemlich jedem begegnenden Hund angepöbelt werden.

Woran liegt das?

Wir kamen bei einem meiner Live-Meetings letztens darauf zu sprechen. Die Kundin erzählte eher zufällig, dass ihr Hund sich immer ganz brav hinlegt und wartet, wenn er einen anderen Hund sieht.

„Und dabei starrt er den anderen Hund an?“ fragte ich sie.

„Ja, genau. Er legt sich flach hin und schaut zu dem anderen Hund!“

„Wusstest du, dass das für den Hund, der begegnet, als Angriff aufgefasst werden kann?“

„Nein, ich dachte immer, dass er freundlich ist!“

Starren ist unhöflich

Da mir das unterwegs immer mal wieder passiert und meine Meringa ihre gute Kinderstube auch vergisst, wenn sie angestarrt wird, möchte ich dazu heute mal ein bisschen „aufklären“.

Bei uns Menschen ist – zumindest in unserem Kulturkreis – in die Augen schauen und anlächeln eine freundliche Geste.

Im Gegensatz dazu bedeutet bei Hunden das Starren Angriff. Der Angriff kann sowohl spielerisch als auch ernst sein.

Spielerischer Angriff

Bestimmt hast du schon mal beobachtet, wenn zwei Hunde miteinander spielen. Sie legen sich hin – oft auch nur mit dem Vorderkörper – verharren eine Weile und starren sich an. Wie auf ein Signal hin rennen sie dann los und das Spiel beginnt.

Bei Hunden, die sich kennen und bei sehr jungen Hunden ist das oft zu sehen. Das ist auch völlig in Ordnung.

Wenn ein unbekannter Hund starrt

Wie sieht das aber bei Begegnungen aus? In den meisten Fällen kennen sich die Hunde nicht. Wenn dein Hund sich jetzt hinlegt und starrt den anderen Hund an, ist das für den zunächst mal ein Signal, vorsichtig zu sein.

Denn ob der starrende Hund gleich mit ihm spielen oder ihn angreifen möchte, ist zu diesem Zeitpunkt nicht klar. Der andere Hund kennt deinen Hund nicht und kann ihn noch nicht einschätzen.

Deshalb ist das Starren für den Hund, der dir begegnet, nicht sehr angenehm und viele Hunde gehen dann offenbar schon mal in die Angriffshaltung und fangen an zu bellen und manche hängen sich sogar voll in der Leine.

Beim Begegnungstraining kann ich das sehr oft beobachten. An den Hunden, die einfach neben ihrem Menschen herlaufen, kommt der „Leinenpöbler“ völlig problemlos vorbei.

Bei starrenden Hunden wird es super schwierig für den „Leinenpöbler“. Auf einmal klappt nichts mehr.

Hunde, die im Laufen starren

Legt dein Hund sich hin und starrt, ist das relativ offensichtlich. Du weißt jetzt, dass das unhöflich ist aus Hundesicht und lässt ihn das in Zukunft nicht mehr machen.

Es gibt auch Hunde, die machen das im Laufen. Es fällt gar nicht auf. Die Menschen wundern sich, dass ihr Hund schon öfter scheinbar aus dem Nichts angegriffen wurde.

Vor ein paar Jahren hatte ich einen solchen Hund in der Hundeschule. Frauchen war ganz verzweifelt, weil ihr Hund schon wieder von einem anderen Hund „verprügelt“ worden war.

„Mein Hund macht doch gar nichts. Ich verstehe das nicht.“ klagte sie mir ihr Leid.

Wir sind dann einfach mal losgegangen, weil ich mir das im Alltag anschauen wollte. Wie bestellt kam uns ein wirklich absolut friedlicher Hund entgegen, den ich schon seit Jahren kannte.

Tja, und dann habe ich gesehen, dass auch dieser Hund ausrasten kann.

„Siehst du, so ist das immer! Mein Hund hat doch gar nichts gemacht!“ meinte meine Kundin.

Doch, ich habe schon 10 Meter vorher kommen sehen, was passiert. Ich erklärte ihr, dass ihr Hund zwar brav neben ihr läuft, aber dabei den anderen Hund in leicht geduckter Haltung anstarrt. Und dass das für den anderen Hund einen Angriff bedeutet.

Sie hatte das noch nie bemerkt. Ihre ganze Aufmerksamkeit war immer bei dem anderen Hund. Verständlich. Hatte sie doch Angst vor einer erneuten Attacke auf ihren Hund.

Diese Kundin hatte viel mit ihrem Hund geübt und er konnte ganz aufmerksam neben ihr herlaufen. Was für ein Glück. Denn das kann man prima nutzen.

Beim nächsten Hund, der uns begegnete, bekam sie von mir die Aufgabe, sich nur auf ihren Hund zu konzentrieren und ihm die Aufgabe zu geben, dass er sie anschaute.

Die Begegnung klappte problemlos! Sie wusste jetzt, woran die Attacken lagen und sie hatte eine ganz einfache Lösung für ihr Problem.

Fazit

Deshalb mein Tipp: Übe mit deinem Hund, dass er bei Hundebegegnungen neben dir läuft und zu dir schaut. Dann kann er nicht den anderen Hund anstarren. Das geht nämlich nicht gleichzeitig. 😉

Hat er sich bisher immer hingelegt, lass ihn sich erst gar nicht legen. Du kannst üben, dass er sich gleich beim Anblick des anderen Hundes zu dir orientiert.

Denn je nach Gewicht des Hundes kann es sein, dass du ihn sonst nur noch sehr mühsam aus der Situation bekommst.

Wird dein Hund ganz oft „angemacht“, beobachte mal, was er macht! Deine Aufmerksamkeit sollte bei deinem Hund sein, nicht bei dem, der begegnet.

Ganz nebenbei: Es ist auch sehr unhöflich, seinen Hund an der Flexileine plötzlich in den begegnenden Hund rennen zu lassen, wenn man auf gleicher Höhe ist. Auch da darf man sich nicht wundern, wenn das Gegenüber ungehalten wird. Nur mal so als Anregung.

Wenn alle Seiten ein bisschen Rücksicht nehmen und genug Abstand halten, ist es für alle Beteiligten einfacher.

In diesem Sinne wünsche ich dir entspannte Begegnungen.

Claudia

P.S.: In meinem Online-Kurs „Entspannt begegnen“ zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du mit deinem Leinenpöbler üben kannst, damit ihr bald entspannt begegnen könnt.

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