Falsche Körpersprache, oder was?

falsche KörperspracheDer macht nicht, was er soll

In einem meiner letzten Nasenletter ging es darum, wieso der Hund möglicherweise das Gegenteil tut von dem, was ich gerne hätte.

Eine Leserin schrieb mir daraufhin einen tollen Hinweis. Nämlich, dass ich den Aspekt Körpersprache noch hätte mit aufnehmen können. Sie schrieb:

„Vielleicht zeigt ihm ja deine Körpersprache genau das Gegenteil von dem, was du sagst?“

Körpersprache ist ein interessanter Aspekt

Das ist ein wirklich spannender Aspekt. So spannend, dass ich ihm einen ganzen Beitrag hier widmen möchte.

Wer mit seinem Hund Hundesport betreibt, hat sicher schon Erfahrung damit, wie es sich auswirkt, wenn zur gleichen Zeit Signale mit unterschiedlicher Bedeutung gegeben werden.

Da ruft der Mensch ‚Tunnel‘, seine Körper zeigt aber zum Sprung und zack, nimmt der Hund das „falsche“ Hindernis.

Ist Körpersprache im Alltag wichtig?

Aber das hat doch für den Nicht-Hundesportler keine Bedeutung, oder? Im Alltag passiert das doch bestimmt gar nicht! Spielt da die Körpersprache des Menschen denn auch so eine große Rolle?

Oh, ja! Es passieren andauernd solche Missverständnisse. Ganz oft fragt man sich, warum der Hund eine Reaktion zeigt, die man so gar nicht wollte.

Angefangen bei ganz lapidaren Rückrufübungen im Welpenkurs bis hin zur gescheiten Leinenführigkeit.

Das Paradebeispiel schlechthin: Der Hund soll gelobt werden, weil er es toll gemacht hat und zur Belohnung bekommt er den Kopf getätschelt. Ja, auch das ist körpersprachlich. Ganz viele Hunde werden dabei immer kleiner und ziehen den Kopf ein. Das wird nicht bemerkt. Das Verhalten, das belohnt werden sollte, wird aber nicht mehr gezeigt. Anstatt zu kommen und sich zu freuen, wenn der Hund seinen Namen hört, haut er ab. Da hilft auch das gleichzeitig gesäuselte „fein“ nicht.

Ebenfalls ein gängiges Beispiel, das häufig passiert. Der Mensch steht beim Rückruf leicht vorne übergebeugt und starrt seinen Hund an. Für viele Hunde eine sehr bedrohliche Körperhaltung. Die besagt: „Bleib weg!“

Gleichzeitig wird aber fröhlich „hieeeeeeeeeeer“ gerufen und erwartet, dass der Hund kommt, obwohl die Körpersprache etwas ganz anderes sagt. Ein Wunder, wenn der Hund nicht oder nur zögerlich kommt? Nein, nicht wirklich. Sensible Hunde können dann nicht kommen.

Ein weiteres typisches Beispiel ist der Hund, der immer zu weit hinten hängt und nicht mitkommt. Einerseits hört er dauernd „fuß“, andererseits dreht sein Mensch sich zur Seite und bremst ihn quasi aus. Anstatt nach vorne zu laufen und mit dem ganzen Körper auszudrücken, wo es hingeht. Der Hund wird durch diese Körpersprache zurückgedrängt, obwohl er eigentlich neben seinem Menschen laufen soll.

Und noch ein Klassiker: Beim Anblick eines anderen Hundes tickt der eigene Hund aus, hängt in der Leine und kläfft. Sein Mensch hätte viel lieber, dass sein Hund an lockerer Leine ruhig neben ihm herläuft, konzentriert sich aber selbst voll auf den anderen Hund. Denn da starrt er hin. Und womöglich „kläfft“ er auch noch mit und schreit dauernd „nein“, „pfui“ oder „aus“.

Mit dieser Körperhaltung und dem Fokus auf den „Feind“ signalisiert er seinem Hund ganz klar, wo die Gefahr ist und dass er sich zu Recht aufregt.

Denk an deine Körpersprache

Das waren ein paar ganz typische Beispiele. Die ganz oft passieren. Mit Sicherheit gibt es jeden Tag zahlreiche Situationen, in denen wir etwas anderes zu unserem Hund sagen und etwas anderes von ihm erwarten als unsere Körpersprache ihm mitteilt.

sturer HundUnsere Hunde sind zum Glück wahre Könner und verstehen uns trotzdem oft richtig. Von Zeit zu Zeit passiert es aber doch. Der Hund macht das Gegenteil von dem, was ich haben möchte. Oder er macht gar nichts.

Ist der jetzt bockig oder stur?

Nein, ich gehe immer davon aus, dass der Hund das tut, was sich aus seiner Sicht lohnt.

Sage ich „sitz“ und der Hund bleibt stehen, kann es durchaus sein, dass meine Körpersprache ihm nicht „sitz“ gesagt hat. Vielleicht habe ich zum ersten Mal bei meinem „sitz“ meine Hände nicht frei und bewege sie nicht so, wie ich das sonst immer tue.

Vielleicht kennt er das Wörtchen „sitz“ gar nicht, sondern hat immer darauf geachtet, was ich mit meiner rechten Schulter mache. Ich weiß es nicht. Ich kann ihn nicht fragen. Jedenfalls nicht direkt.

Du kannst deinen Hund fragen

Indirekt kann ich ihn schon fragen, was er verstanden hat. Das braucht ein paar Überlegungen und ein bisschen Zeit.

Wenn ich zum Beispiel überprüfen möchte, ob mein Hund wirklich das Wörtchen „sitz“ gelernt hat, muss ich mir etwas einfallen lassen.

Ich könnte ihm den Rücken zukehren. Ganz still stehen. Hinter einer Wand stehen. Ihm auch nicht das Gesicht zuwenden (mit Spiegel). Mir einen Karton über den Kopf ziehen und mich nicht bewegen, wenn ich „sitz“ sage.

Reagiert er immer gleich auf das „sitz“? Okay, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er tatsächlich das Wort gelernt hat. Wenn nicht, kann ich immer wieder etwas verändern, bis ich am Ende herausbekomme, was für meinen Hund tatsächlich das Signal für „sitz“ ist.

Du siehst, unsere Körperprache spielt eine große Rolle. Und wenn der Hund nicht das tut, was du erwartest, solltest du immer erst mal kritisch fragen:

„Was ist möglicherweise anders als sonst und könnte Ursache dafür sein, dass mein Hund es nicht macht?“

Das ist wesentlich fairer als dem Hund zu unterstellen, dass er stur oder bockig ist oder dich ärgern möchte. Denn das möchte er nicht. Versprochen.

Unsere Hunde sind toll!

Claudia

P.S.: Du hast Spaß daran, herauszufinden, was dein Hund wirklich kann? Du hättest dazu gerne mehr Ideen? Dann habe ich HIER etwas für dich.

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