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Episode 69 – Der ist gestresst – Warum Stempel aufdrücken in die Sackgasse führt

Stempel aufdrücken führt in die SackgasseEiner meinen Nasenletter, bei dem sich einige Menschen persönlich angegriffen fühlten, hat mich inspiriert zu diesem Beitrag.

Hören statt Lesen – Kein Problem!

Es ist in deinem Kopf

Hier mal ein Beispiel solcher Gedanken:

„Probleme beim Training entstehen bei uns immer da, wo die Situation ungewohnt wird. Klappt das Bleiben auf der Decke zuhause super, funktioniert es bei Besuch oder auch wenn wir Besuch bekommen nicht mehr. Klappt die Leinenführigkeit auf bekannten Strecken relativ gut, klappt es an neuen Orten garn icht mehr. Ganz klar, die Ablenkung ist noch zu groß, der Hund gestresst und wir frustriert, weil die Bekannten denken, der Hund ist nicht erzogen.“

Punkt 1:

Du weißt nicht, was deine Bekannten denken. Du denkst dir, was sie denken könnten. Vielleicht denken sie etwas ganz anderes. Es ist aber auch völlig egal. Denn das ist einzig und allein ihr Problem. Nicht deins. Deshalb brauchst du dich darum nicht zu kümmern. Puh – Glück gehabt.

Punkt 2:

Ich kann bei so einer Frage keine Antwort geben. Denn ich weiß weder, was der Hund tut noch was der Mensch tut. Und auch nicht, welche Probleme es gibt.

Nur Interpretationen möglich

Was bedeutet, dass das Bleiben auf Decke Zuhause super klappt?

Wie lange bleibt der Hund?

Mit welchen Ablenkungen bleibt er?

In welchem Abstand ist der Mensch?

Was bedeutet, dass es nicht mehr funktioniert? Was tut der Hund?

Und was tut der Mensch?

Was genau ist daran das Problem? Was soll der Hund stattdessen tun?

Ich stelle Fragen

Und deshalb stelle ich dann Fragen. Hier würde ich sehr viele Fragen stellen.

  • Wie lange bleibt der Hund liegen?
  • Bleibt er auch liegen, wenn du Leckerli durch die Gegend wirfst?
  • Bleibt der liegen, wenn du zur Haustür gehst?
  • Bleibt der liegen, wenn du in einen anderen Raum gehst?
  • Bleibt der liegen, wenn du einen Ball vorbeikullerst?
  • Was machst du, wenn er so brav liegenbleibt?
  • Was machst du, wenn er aufsteht?
  • Was soll der Hund denn in Situation X TUN?
  • Wie genau soll das aussehen?

Und je nach Antwort sind die Folgefragen durchaus unterschiedlich. Und die Antworten und Lösungsvorschläge natürlich erst recht.

Menschen fühlen sich angegriffen

Darum geht es mir heute aber gar nicht so sehr. Vielmehr fühlen sich Menschen oft angegriffen, wenn ich solche Fragen stelle.

Was ich klar machen möchte: Mit keiner meiner Fragen möchte ich jemanden be- oder gar verurteilen.

Ich frage, weil ich es wissen will. Wissen muss. Zumindest, wenn ich jemandem eine gute Lösung bieten möchte.

Denn funktioniert gut, funktioniert nicht mehr,  stur, eigensinnig, abgelenkt, etc. sagen nichts darüber aus, was passiert.

Alles, was jemand in die Fragen rein interpretiert, ist nur in seinem Kopf.

kein stempel nur in meinem kopfNicht in meinem!

Nochmals:

  • „Was genau macht dein Hund?“
  • „Was machst du in der Situation?“ oder
  • „Was machst du dann?“ oder auch
  • „Was soll er denn stattdessen tun?“

sind doch einfach nur Nachfragen. Nach einem Verhalten. Was tust du? Was tut der Hund?

Das Gleiche gilt für den Hund:

  • „Mein Hund ist dickköpfig!“
  • „Mein Hund ist stur.“
  • „Mein Hund ist ängstlich.“
  • „Mein Hund mag keine Männer.“
  • „Mein Hund hasst die Leine.“

Was tut dein Hund? Was bringt dich dazu, zu denken, dass er so ist?

Verhalten beobachten

In dem Moment, wo ein Stempel aufgedrückt wird, kann man es ja nicht mehr ändern.

Das ist schade. Zumindest, wenn man es ändern will. Stempel drauf. Ist halt so!

Ich bin ein Fan davon, Verhalten zu beobachten. Denn beobachtet man ein Verhalten anstatt einen Stempel aufzudrücken, hat man 1.000 Möglichkeiten zu Veränderung.

Viviane Theby sagt immer: Die 500 tierschutzrelevanten Lösungen lassen wir weg, dann haben wir immer noch 500 Alternativen übrig.

Du möchtest etwas verändern?

Du findest das Verhalten deines Hundes doof und würdest gerne etwas verändern?

Übernimm die Verantwortung!

Für deinen Hund. Und für dich!

Was tut dein Hund? Warum glaubst du, er hasst die Leine oder er ist stur?

Sobald du damit anfängst, das Verhalten zu beobachten, hast du die wunderbare Möglichkeit, es auch zu verändern.

Und zwar bei dir und bei deinem Hund. Das ist doch fantastisch!

Denn für dich gilt ja dasselbe. Wir haben natürlich alle eine Vergangenheit. Und ich kenne niemanden, dem immer nur eine positive Sichtweise von sich selbst gezeigt wurde.

Du hast die Wahl

Die gute Nachricht ist: Du hast jeden Tag die Wahl. Du kannst jeden Tag dein Verhalten ändern. Nein, du bist nicht von Natur aus faul oder unfähig oder untalentiert.

Wenn du etwas bisher nicht geschafft hast, heißt das nicht, dass du es nicht schaffen kannst. Du hast es vielleicht noch (!!!) nicht geschafft. Aber wenn du es wirklich willst, schaffst du es.

Tipp: Such dir Unterstützung

Und an der Stelle habe ich einen echt guten Tipp für dich. Lass dir dabei helfen. Es gibt Menschen, die das richtig gut können. Und die dir das gerne zeigen. Ich nutze solche Angebote ganz oft. Und auch ich lande nicht immer auf Anhieb bei dem Experten, bei dem es für mich passt.

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Sondern Übung macht den Meister. Allerdings sollte man auch richtig üben.

Und wenn es bisher nicht geklappt hat? – Das kann aus verschiedenen Gründen der Fall sein. Du bist einfach nicht lang genug dran geblieben. Vielleicht hat dir aber auch einfach noch niemand den Weg aufgezeigt, der für dich passt. Vielleicht hast du auch nur selbst ausprobiert. Vielleicht war die Erklärung gut und richtig, aber die Umsetzung war noch nicht optimal.

Deshalb verkriech dich nicht und gib dir die Schuld. Auch da gilt: Du kannst es ja ab heute anders machen.

stempel aufdrücken beispielBeispiel gefällig:

Wenn ein Rennfahrer mir einen Vortrag hält und dann setze ich mich in sein Renn-Auto, kriege ich es möglicherweise erst gar nicht gestartet. Oder ich fahre gleich vor die nächste Wand.

Deshalb bin ich doch kein schlechter Mensch oder doof oder faul. Und auch nicht stur, dickköpfig oder eigensinnig.

Ich weiß einfach nicht, wie ich es anstelle, damit es funktioniert.

Mit den richtigen Tipps und der richtigen Anleitung und natürlich viel Übung kann ich es lernen, diese Renn-Auto zu starten und zu fahren.

Es muss passen

Auch ich bin nicht für jeden die richtige Expertin. Wer nicht bereit ist, sein eigenes Verhalten zu verändern, passt nicht zu mir.

Wer meint, sein Hund muss auf Knopfdruck gehorchen, ist falsch bei mir.

Wer der Meinung ist, ein Leinenruck, ein bisschen Kneifen und Schubsen und ein Bedrohen des Hundes ist doch nicht so schlimm, ist bei mir ganz sicher nicht gut aufgehoben.

Bei mir steht das Wohlergehen des Hundes ganz oben. Und dabei geht es NICHT um antiautoritäre Erziehung. Es geht vielmehr darum, mit dem Hund so zu kommunizieren, dass er es versteht und gerne mitmacht.

Es geht darum, sich zu überlegen, was will ich haben und das zu belohnen.

Und nicht – wie es oft gemacht wird – auf unerwünschtes Verhalten zu warten und das zu bestrafen.

(Die Frage: „Wie kann ich meinem Hund abgewöhnen…?“ muss bei mir immer umformuliert werden.)

Fazit

Wenn du wirklich daran interessiert bist, das Verhalten deines Hundes zu ändern, drück ihm keinen Stempel mehr auf.

Schau dir stattdessen sein Verhalten an, überlege dir, was du stattdessen haben möchtest und dann kannst du loslegen und trainieren.

Dabei unterstütze ich dich sehr gerne, wenn du den Weg der positiven Verstärkung gehen möchtest.

Claudia

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